Das übergeordnete Ziel unserer Forschung ist es zu verstehen, wie das menschliche Gehirn Erwartungen und sensorische Informationen kombiniert. Unsere Fähigkeit, erfolgreich mit anderen Menschen zu kommunizieren, ist eine wesentliche Fähigkeit im täglichen Leben. Daher ist es ein wichtiges wissenschaftliches Unterfangen, zu entschlüsseln, wie das menschliche Gehirn aus akustischen Sprachsignalen eine Bedeutung ableiten und unseren Kommunikationspartner erkennen kann, wenn er ein Gesicht sieht.
Die Spracherkennung hängt sowohl von der Klarheit des akustischen Inputs als auch davon ab, was wir zu hören erwarten. So können beispielsweise Hörer unter lauten Bedingungen bei identischen Sprachsignalen unterschiedlich wahrnehmen, was gesagt wurde. Ähnlich verhält es sich bei der Gesichtserkennung: Die Reaktionen des Gehirns auf Gesichter hängen von den Erwartungen ab und spiegeln nicht einfach die dargestellten Gesichtsmerkmale wider.
Diese Ergebnisse für die Sprach- und Gesichtserkennung sind mit der allgemeineren Auffassung vereinbar, dass die Wahrnehmung ein aktiver Prozess ist, bei dem die eingehenden sensorischen Informationen im Hinblick auf die Erwartungen interpretiert werden. Die neuronalen Mechanismen, die eine solche Integration von sensorischen Signalen und Erwartungen unterstützen, müssen jedoch noch identifiziert werden. Es wurden widersprüchliche theoretische und computergestützte Modelle dafür vorgeschlagen, wie, wann und wo Erwartungen und neue sensorische Informationen kombiniert werden.